Zwischen den grauen Türmen liegt eine farbenprächtige Welt voller Musik und Märchen – inszeniert von den Schülern der GSO Bremen und der Bremer Philharmonie im Rahmen des Zukunftlabors.
Einmal im Jahr schaffen hunderte von Schülern, das Orchester und die Bewohner von Bremen Tenever / Osterholz eine Stadtteiloper, die am 20. und 21.September 2012 stattfand.
Nach Polski Blues und Afrika in den letzten Jahren entführte man uns dieses Jahr nach Russland und erzählte die Geschichte von Iolanta. Die gleichnamige, letzte Oper von Peter Tschaikowsky war aufwendig inszeniert – im Festzelt wurden kilometerweise Stoffe zu Kostümen genäht und kistenweise Papierblumen gefaltet. Die Schüler der GSO bastelten, musizierten und probten wochenlang, um den Besuchern eine perfekte Aufführung bieten zu können. Unterstützt wurden sie dabei nicht nur von Lehrern und Schülern, sondern auch von der Bremer Kammerphilharmonie und vor allem vom international bekannten Dirigenten Alexander Shelley.
Der „Echo Klassik“ für Bremens Stadtteil Tenever
Alexander Shelley ist der Leiter des Bremer Zukunftslabors. Einmal im Jahr reist der 33-Jährige nach Bremen, um mit den Kindern und dem Orchester, neben klassischer Musik und professionellem Operngesang, auch noch etwas zu bieten: Ein deutschlandweit einzigartiges Projekt, dass dieses Jahr mit einem „Echo Klassik“ ausgezeichnet wurde. Die Veranstalter widmen diesen Preis dem Stadtteil Tenever – vielen als sozialer Brennpunkt im Gedächtnis – hat dieser Bremer Stadtteil in den letzten Jahren eine beeindruckende Entwicklung vollbracht. Die direkt an das Hochhaus-Wohngebiet angrenzende Gesamtschule Ost gehört zu den 20 besten Schulen in Deutschland.
Ungewöhnliche Zusammenarbeit mit Gänsehautfaktor
Die Zusammenarbeit mit dem Orchester begann im Jahr 2009, als die Proberäume in die direkte Nachbarschaft der Schule verlegt wurden. Fortan konnten die Schüler immer wieder den Klängen der klassischen Musik in ihren Räumen lauschen. Das daraus ein jährlich erfolgreiches Projekt geworden ist, ist sicherlich der unglaublichen Professionalität der Inszenierung zu verdanken. Der Besucher der Stadtteiloper IOLANTA wurde nicht nur dank der Berufsmusiker und Opernsänger ein Erlebnis, vor allem die Darbietung der Schüler überraschte das Publikum: Egal ob die Darsteller/innen der Hauptfiguren, Sänger/innen oder Musiker, die Schüler präsentierten eine fast zweistündige Oper mit hohem Gänsehautfaktor. Das Festzelt selbst verwandelte sich dabei in den Garten der blinden Prinzessin Iolanta, die in diesem leben muss – ihr Vater, der König verbietet jedem Iolanta von ihrer Krankheit zu erzählen. Und so wächst Iolanta im Glauben auf, die dunkle Welt sei völlig normal, bis der junge Vodemon in den Garten einbricht.
Tragik, Liebe, Humor und russische Spezialitäten
Es ist eine Geschichte voller Tragik und Liebe. Doch der Humor kommt nicht zu kurz. Immer wieder spielen die Schüler direkt auf Bremen Tenever als „graue Betonöde des restlichen Königreichs“ an. Das Projekt soll nicht nur die Begeisterung für klassische Musik und die Oper wecken – jedes Jahr lernen die Schüler eine andere Nation kennen, ihre Märchen, ihre Musik, aber auch ihre Kultur und Lebenswelt. So befindet sich vor dem Festzelt auf der Wiese ein Markt auf dem russische Spezialitäten probiert werden können. Ein zu Recht verdienter Echo und eine einmalige Erfolgsgeschichte, die hoffentlich noch viele Stadtteilopern hervor bringen wird!
Lisa Marie Siewert
Bildquelle: flickrtickr 2009 (flickr.com)





