Wenn am Abend des 31. Oktobers allerlei gruselig verkleidete Gestalten vor der Tür stehen und nach Süßigkeiten fragen, wundert das niemanden. Obwohl Halloween in Deutschland noch ein relativ neues Phänomen ist, erfreut sich das Fest der Geister auch hier zu Lande enormer Beliebtheit. Wir zeigen, woher der Braucht kommt.
Bekannt wurde Halloween in Deutschland erst nach 1945 durch die Amerikaner und vor allem dank der geschickten Vermarktung durch die Spiel- und Süßwarenindustrie in den 90er Jahren. Daher rührt möglicherweise auch der allgemeine Irrglaube, dass der Ursprung des Festes in den USA liegt. Immerhin zelebriert man dort den Vorabend von Allerheiligen schon seit langem. Jedoch handelt es sich dabei eher um eine kommerzialisierte Form einer Tradition, die irische Einwanderer im 19. Jahrhundert in die USA gebracht haben und die sich zunächst unter dem Namen “All Hallow’s Eve”, übersetzt der Abend vor Allerheiligen, ausbreitete.
In ihrer Heimat feierten die Iren “Oíche Shamhna”, was so viel wie “Winterbeginn” bedeutet und vermutlich auf das irisch-keltische Fest Samhain zurückzuführen ist. An diesem Abend wurde nicht nur mit einem Feuer das keltische Jahr eingeläutet: Es soll auch eine besondere Verbindung zu verstorbenen Verwandten möglich gewesen sein. Um sich aber vor bösen Geister zu schützen, verkleidete man sich.
Auch, dass Kinder von Haus zu Haus ziehen und Süßigkeiten sammeln, hat sich aus einer uralten irischen Tradition heraus entwickelt. Im 11. Jahrhundert verteilte man am Allerseelentag sogenannte “Seelenkuchen”, kleine Brote mit Johannisbeeren an Bettler, um ihnen das Versprechen abzuringen, für die verstorbenen Seelen zu beten.
Dem Teufel entkommen
Die heutige Symbolfigur von Halloween, ein ausgehöhlter Kürbis, geht auf die irische Sage um Jack O‘Lantern zurück. Ihm war es am Abend vor Allerheiligen gelungen den Teufel zu überlisten, als dieser ihn holen wollte und sich dadurch vor der Hölle zu retten. Da ihm die Pforten des Himmels aber versperrt blieben, war seine Seele auf ewig gezwungen zwischen Himmel und Hölle zu wandern. Aus Mitleid gab der Teufel Jack O’Lantern eine Kohle aus dem Höllenfeuer mit auf den Weg, die Jack in eine Rübe steckte.
Daraus ergab sich die Annahme, dass eine glühende Kohle in einer Rübe den Teufel und böse Geister abhalten könne. In den USA nutzten die irischen Einwanderer dafür Kürbisse.
Wie feiern die Iren Halloween heute?
In Irland spielt der 31. Oktober auch heute noch eine große Rolle und das ist kaum zu übersehen. Die Schaufenster der Geschäfte und Cafés sind mit Kürbissen geschmückt und auch die meisten Häuser und Gärten warten mit kunstvoller Halloween-Dekoration auf. In den Schulen gibt es besondere Halloween-Aktivitäten und sogar an den Universitäten wird zum Kürbisschnitzen eingeladen.
Allerdings kam es durch die Popularität der amerikanischen Halloweenbräuche zu einer starken Vermischung von Tradition und Kommerzialisierung.
“Die Kostüme sind heute viel ausgefallener und manche Leute geben eine Menge Geld dafür aus. Als ich noch klein war, haben wir uns oft einfach als Gespenst verkleidet oder einen Hexenhut aufgesetzt. Es war alles etwas simpler.” Aoife Richardson, Studentin aus Maynooth in Irland.
Auch das weit verbreitete “Trick or Treat” ist durch den amerikanischen Einfluss entstanden. So ist es in Irland zwar durchaus gängig, dass Kinder von Tür zu Tür gehen, traditionell gab es auf den Spruch “Help the Halloween Party” aber keine Süßigkeiten, sondern Früchte und Nüsse, was einem heute vermutlich mit einem Streich gedankt werden würde.
Die Traditionen bleiben
Einige Traditionen wie der “bairín breac”, ein Fruchtkuchen, in den ein Ring eingebacken ist, haben aber trotzdem überlebt. “Wer das Stück mit dem Ring bekommt darf sich auf eine baldige Hochzeit freuen”, erklärt Aoife. “Außerdem ist es typisch ‚Colcannon‘ zu essen. Das ist Kartoffelbrei mit Grünkohl. Und auch Feuer werden noch vielerorts gemacht, an denen die Leute zusammenkommen”, so Aoife weiter.
Ein weiterer Brauch, der vor allem unter Kindern noch ein beliebtes Spiel ist, ist das sogenannte “Apple bobbing”, bei dem man versuchen muss Äpfel mit dem Mund aus einem Wassereimer herauszuholen.
Halloween ist also weit mehr als der hier bekannte herbstliche Gruselkult. Trotzdem ist es auch für die meisten Deutschen zu einem wichtigen Jahresritual geworden und konkurriert mittlerweile mit dem protestantischen Reformationstag. Demnach werden auch dieses Jahr wieder Kürbisfratzen vor die Häuser gestellt und Süßigkeiten verteilt. Wenn auch eher um böse Streiche, als böse Geister abzuhalten.
Karolin Lammer
Bild: Petar Milošević, Halloween Jack-o’-lantern, CC BY-SA 3.0