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Das beste Spiel des Jahres? Eine kritische Fanrezension über Assassin’s Creed III

5. Dezember 2012

Imposante Trailer haben als Vorboten die Erwartungen auf den neusten Assassin’s Creed-Streich aus dem Hause Ubisoft geschürt – teilweise zurecht, zumindest im Bezug auf die umwerfende Grafik und das überarbeitete Gameplay. Die Rahmenhandlung hat sich dagegen kaum verändert: Auch im offiziellen dritten Teil der Assassin’s Creed-Reihe reist Desmond Miles wieder durch die Vergangenheit seiner Vorfahren, die auch im ausgehenden 18. Jahrhundert den blutigen Konflikt zwischen Assassinen und Templern austragen. Wer nicht allzu zimperlich ist, wird hieran Spaß haben.

 

Man stelle sich vor, Erinnerungen wären in der DNA gespeichert und man könne über das eigene Genmaterial in die Vergangenheit reisen. Zeitreisen als große Science-Fiction-Idee kombiniert mit ihrem größten Problem: Die eigene Abstammung und das darauf folgende logische Dilemma. Würde ein Mensch in seine Vergangenheit zurückreisen und die Fortpflanzung der Vorfahren verhindern, so würde er sich damit die Grundlage der eigenen Existenz berauben – aber wie könnte jemand eingreifen, der nicht existiert?

Science-Fiction-Autoren hat dieses Dilemma selten davon abgehalten, ihre Helden in die Vergangenheit zu schicken, maximal mit einer kleinen Warnung ausgestattet, man solle doch bitte kein allzu großes Chaos auslösen.

 

Alles wie gehabt – und trotzdem alles neu? Fast!

In Assassin’s Creed III synchronisiert sich wieder der noch immer (etwas nervige) gefangene Desmond über das sogenannte Animus-Gerät mit seinen Vorgängern. Zuerst wird die Vorgeschichte aufgearbeitet, sodass man in einem leider vierstündigen Tutorial an den wenig sympathischen Engländer Haytham Kenway gebunden ist, während man sich als Spieler fragt, wann das Spiel wirklich beginnt. Erst gegen Ende des Tutorials erschließt sich endlich, dass es sich hierbei um den Vater des eigentlichen Hauptcharakters, Connor, handeln muss. Ein unglücklicher Start in ein Spiel, das einen Großteil der im Vorfeld angestellten Erwartungen halten kann.

Die Macher haben bei der Neuauflage keine Mühe gescheut und haben vieles erneuert: Während die Steuerung leicht verändert wurde, ist die Spielwelt jetzt noch offener. Connor klettert nun mühelos auch über Bäume und kann deutlich flüssiger agieren. So nimmt er nun Waffen im Gehen auf und erledigt seine Gegner aus fahrenden Heuwagen. Auch große Kampfsituationen sind im Vergleich zum Vorgänger deutlich fließender. Unlogisch ist dabei allerdings, dass nur zwei Gegner angreifen, während Connor von deutlich mehr Feinden umzingelt wird, wenn es auch das Spielen erleichtert. In einer kommentierten Demo der Macher kann man einige spannende Eindrücke gewinnen.
 

Bombastische Grafik und epische Musik

Genretypisch bewegt man sich nun also durch zeitgenössische Nachbildungen der Grenzgebiete, durch Boston und New York, deren Aufbau, wie bereits bei den Vorgängern, einem möglichst realen Abbild der Orte zugrunde liegen. Hinzu kommt, dass die grafische Darstellung, trotz des Alters der Konsolen (der Verkaufsstart der Xbox 360 liegt bald sieben Jahre zurück, die PS3 ist nur ein Jahr jünger), als großartig beschrieben werden muss. Ob das allein über die Qualität eines Spiels entscheiden kann, sei hier jedem Spieler selbst überlassen. Die Musik zum Spiel orientiert sich an aktuellen Hörgewohnheiten, stammt sie doch direkt aus der Feder des Hans Zimmer-Protegés, Lorne Balfe, und klingt so eingängig, dass man sie teilweise mit den Scores von The Dark Knight oder Transformers verwechseln könnte.

 

Kleine Mängel behindern den Spielablauf

Nichtsdestotrotz behindern kleine Macken die angesetzten Erwartungen. Häufig auftauchende Ladebildschirme, stören das sonst auf flüssige Abläufe bedachte Konzept, zumal diese in einem klinischen, grellen Weiß gehalten sind und sich somit deutlich vom Spiel abheben. Die Missionen sind gut strukturiert, wobei kleine optionale Zwischenziele die Schwierigkeitsstufe erhöhen können, ohne das Spiel zu unterbrechen oder Frustration entstehen zu lassen. Dies ist eigentlich gut, allerdings werden diese Hinweise so schnell ein- und ausgeblendet, dass kaum Zeit bleibt, alles zu lesen. Das größte Manko besteht jedoch in den zahlreichen „Bugs“. So sollte vor Spielbeginn auf jeden Fall der sogenannte Day-One-Patch installiert werden, der gleich stolze 44 Fehler behebt. Wer das nicht tut, sieht sich andernfalls mit Gegnern konfrontiert, die manchmal ihre Waffen nicht aufheben oder gar nicht angreifen bzw. sieht durch eine feststeckende Kamera gar nichts mehr. Hinzukommen mehrere Spielabstürze. Einige weitere, kleinere Fehler sollen in einem zweiten „Patch“ behoben werden, der zusammen mit der PC-Version am 22.November veröffentlicht werden soll. Bei einem der wenigen großen Spiele, das in mehreren Studios nach drei Jahren Entwicklung entstanden ist, hätte man weniger Bugs erwarten können.

 

Dennoch ist Assassin’s Creed III ein gutes Spiel, das mit dem neuen Gameplay und imposanter Grafik die kleinen Schwächen locker überwindet, sobald man das langatmige Tutorial durchlitten hat. Und wenn draußen alles weiß und kalt ist, fallen die weißen Ladebildschirme womöglich nicht mehr so deutlich auf.

 

 

Annika Mahr

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