…dort liegt nicht nur das sprichwörtliche „Glück der Erde“, sondern hier spielt sich auch Apassionata ab. Die erfolgreichste Pferde-Show Europas feiert ihr 10jähriges Bestehen. Die Jubiläumsausgabe „Freunde für immer“ tourt derzeit durch Deutschland und sorgte auch in Bremen schon für leuchtende Augen.
Musik erklingt und der rote Vorhang öffnet sich. Auf der Leinwand dahinter ist ein grüner Blätterwald zu sehen. Ein einzelnes Pferd galoppiert herein, ohne Reiter und scheinbar völlig unberührt von den tausenden Menschen, die ihm zuschauen. Dann betritt ein Mann zu Fuß die Manege und beginnt, mit dem Pferd zu spielen.
Die so genannte „Freiheitsdressur“, bei der die Pferde vom Boden aus dirigiert werden, ist nur eine der zahlreichen Höhepunkte des 10jährigen Jubiläums von Apassionata. Die Show zeigt das breite Spektrum dessen, was mit Pferden möglich ist, in den unterschiedlichsten Disziplinen: Vom Westernreiten, über die Hohe Schule der Dressur, bis hin zur „Doma Vaquera“, der Arbeitsreitweise der spanischen Hirten. Ikonen des Reitsports, unter anderem aus Deutschland, Frankreich, Portugal und Spanien, präsentieren hier ihr Können. „Ich bin glücklich und dankbar, weil wir die besten Reiter Europas bei uns haben“, sagt Produzent Peter Massine.
Ein Erfolgsrezept
Massine gründete die Apassionata im Jahr 2002. Seitdem hat die Show sich als Erfolgsmodell erwiesen. Lediglich die gescheiterte USA-Tournee im Jahr 2011 versetzte ihr einen Rückschlag – diese wurde vorzeitig abgebrochen, da man nach offiziellen Angaben noch nicht für den amerikanischen Markt bereit gewesen sei.
Die Jubiläumsshow verspricht jedoch ein Erfolg zu werden. 27 Städte in ganz Europa liegen auf ihrem Weg, über 8.000 Zuschauer wollten bereits die Premiere sehen.
„Beim 10jährigen Jubiläum haben wir uns vorgenommen, alles zu zeigen, was Apassionata wirklich groß gemacht hat“, erklärt Kreativdirektor Holger Ehlers. Er schreibt die Show jedes Jahr neu. Das Grundkonzept bleibt jedoch gleich: Eine bunte Collage aus verschiedenen Reitstilen, kombiniert mit Licht, Musik, Tanz und Akrobatik. Die Zielgruppe sind sowohl kleine als auch große Pferdefans und obwohl vermutlich ein Großteil der Zuschauer aus dem Reitsport stammt, muss man nicht wissen, was Kapriole, Courbette oder Levade sind, um das Spektakel genießen zu können.
Verschiedene Pferderassen und eine kleine Geschichte als Rahmen
Ein absoluter Hingucker sind auch die verschiedenen Pferderassen, darunter winzige Minishetlandponys, temperamentvolle Lusitanos, massige Kaltblüter – und Esel Basile, der für den lustigen, kindergerechten Teil der Show sorgt. Sowohl Basile als auch die 43 Showpferde sind Vollprofis, die sich weder von lautem Applaus, noch von blinkenden Lichtern aus der Ruhe bringen lassen.
Den Rahmen für die Inszenierung bildet wie in jedem Jahr eine kleine Geschichte. Sie handelt von dem Mädchen Amélie, das eine idyllische Kindheit auf dem Land verbringt und mit Pferden aufwächst. Im Zuge ihres Erwachsenwerdens entfernt sie sich von ihrem Zuhause. Sie zieht in die große, hektische Stadt. Nach ihrem Schulabschluss jedoch, als junge Frau, beschließt sie die Rückkehr zu ihren Wurzeln und zu ihrem Lieblingspferd – ihrem „Freund für immer“. Diese einfach gestrickte Story mag den jüngeren Pferdefans im Publikum geschuldet sein. Für die meisten Erwachsenen ist die weibliche Erzählerstimme aus dem Off wohl doch zu kitschig und die Show kommt im Grunde auch ohne sie aus. Angesichts von Reitern, die sich im vollen Galopp unter dem Bauch des Pferdes hindurch schlängeln, wird jede Handlung zur Nebensache.
Wem die Show allein noch nicht reicht, der kann an einer Stallführung teilnehmen und die tierischen Stars hautnah erleben. Spätestens dort wird klar, dass auch elegante Showpferde ganz normale Tiere sind. Sie müssen fressen, versorgt werden und produzieren Pferdemist – rund 60 Kubikmeter jede Woche.
Alice Echtermann





