Der greifbare Horror wird immer realer. Immer mehr Marketing-Strategien bauen auf Live-Attraktionen in Form von dunklen Räumen, aus denen es zu entkommen gilt. Was es damit auf sich hat und warum die Faszination so groß ist, haben wir uns mal genauer angesehen.
Diese (nennen wir sie mal) Horror-Häuser bauen darauf, möglichst alle teilnehmenden Personen in Angst und Schrecken zu versetzen. Der Weg nach draußen ist das Ziel und den gilt es zu finden, ohne sich zu verirren. Warum man sich so etwas antut? Die Intentionen sind wahrscheinlich meist recht unterschiedlich. Die einen suchen das Adrenalin, die anderen die persönliche Erfahrung mit dem Horror, den sie aus Serien, Filmen und Spielen so lieben und wieder andere folgen vielleicht einfach dem Gruppenzwang. Mir persönlich ging es um die ersten beiden Punkte, als ich mich im letzten Jahr zu den Halloween-Wochen auf die Suche nach dem ultimativen Horror in den Movie Park Germany begeben habe, um unter anderem Deutschlands erste The Walking Dead Live-Attraktion zu testen.
Horror-Häuser im Movie Park
Neben dem mittlerweile ganzjährigen Ereignis The Walking Dead Breakout bietet der Movie Park zur Halloween Zeit auch noch weitere Live-Attraktionen. Prinzipiell verlaufen alle ähnlich, bieten jedoch unterschiedliche Finessen. Besonders die Wartezeit sollte bedacht werden, da einige erst zur Abendstunde öffnen, um die Stimmung der Nacht einzufangen. Wer nur einen Tag im Park hat, sollte sich gut überlegen, welche Attraktionen durchlebt werden sollen. Die Horror-Häuser werden nie allein betreten. Meist begibt man sich in Gruppen von 10-20 Personen in die Häuser und durchquert Raum für Raum. Fotos und Videos innerhalb der Räumlichkeiten sind natürlich strengstens verboten. Wer den absoluten Horror sucht, sollte versuchen die Gruppe entweder anzuführen oder sich ganz ans Ende der Kette zu begeben. Auf diese Weise erfährt man den Horror immer zuerst oder wird unerwartet von hinten erschrocken. Anders als in den typischen Geisterbahnen auf Freimärkten handelt es sich bei den Erschreckern um echte Akteure, weshalb jedes Erlebnis einzigartig und unberechenbar wird.
The Walking Dead Breakout
Getreu den gleichnamigen Comics und der Serie begibt man sich zusammen mit einer Gruppe Überlebender durch ein von Zombies (Beißer) überlaufendes Gebiet. Das Ziel ist der Ausgang auf der anderen Seite des 700 Quadratmeter großen Gebäudes. Zuzüglich zum Parkeintritt wird hier ein Aufschlag von 5 Euro verlangt. Kein zu hoher Preis für jeden The Walking Dead Fan. Die Zombies werden von echten Akteuren gespielt und lauern an jeder Ecke. Stimmungsvolle Musik und Soundeffekte untermalen das Vergnügen. Während die Gänge sehr eng und schwer einsehbar sind, kommt ein Gefühl ständiger Bedrohung auf. Die Dunkelheit unterstreicht die Hilflosigkeit der Gruppe. The Walking Dead Breakout gelingt es, die Atmosphäre von Anfang bis Ende aufrechtzuerhalten und den Horror gekonnt an seine Opfer zu bringen. Dennoch bleibt ein wesentlicher Punkt meist unerreicht. Die Akteure schaffen es kaum durch gekonnte Jump-Scares (plötzlich auftauchende Schreckmomente) die Überlebenden aus den Schuhen zu hauen. Wie denn auch? Zombies bewegen sich langsam. Jeder The Walking Dead Fan sollte sich die Zeit nehmen und das Breakout selbst durchleben. Einmal reicht allerdings vollkommen aus.
Clowns, Krankenschwestern, Schlachter und Geister
Allerdings bietet der Movie Park weit mehr als bloß Zombies. Dabei lassen sich das Deathpital und The Slaughterhouse noch am ehesten miteinander vergleichen. In beiden trifft man auf eine Mischung aus untoten und lebendigen Verrückten. Krankenschwestern, Ärzte, Psychopathen, Schlachter, Lehrlinge. Sie alle sind hinter einem her, während man sich seinen Weg durch die engen, dunklen, teils nebligen Räume ebnet. Das Slaugtherhouse bietet dabei einen so nebligen Raum, dass man wortwörtlich die eigene Hand vor seinen Augen nicht mehr sehen kann. Ganz großes Lob an dieser Stelle. Im Circus of Freaks warten Clowns darauf, ihre Opfer hinters Licht zu führen und aus allen möglichen Positionen heraus zu erschrecken. Ganz stark ist auch die dichte Atmosphäre in den Räumen von Insidious 2. Hier wird mit Spiegeln, Puppen, Geistern und Dunkelheit gearbeitet. Um mögliche Interessenten nicht zu spoilern, werde ich hier nicht weiter ins Detail gehen. Jump-Scares sind jedenfalls bei allen der vier genannten Horror-Häuser vorprogrammiert. Diese Attraktionen ließen sich übrigens ganz ohne Aufschlag erleben. Ich bin gespannt was das Halloween-Jahr 2017 für Überraschungen bereithält.
Escape-Rooms als Marketing-Strategie
Besonders im Horror-Bereich ergibt es Sinn, das durch Angst und Schrecken entstehende Adrenalin-Gefühl so real wie möglich werden zu lassen. Mischt man also das Konzept der Horror-Häuser mit dem von Escape Rooms und baut das Setting des zu vermarktenden Produkts nach, entsteht eine Art Werbeplattform, die bis unter die Haut geht. So entstand beispielsweise der Escape Room Hush, inspiriert vom im letzten Jahr erschienenen Horror-Film Don’t Breathe
Außerdem nützt diese Strategie dem Verkauf der Virtual Reality Technologie. Videospiele-Entwickler Capcom hat in Zusammenarbeit mit TeamEscape vor, in diesem Jahr das Escape Room-Erlebnis nach Deutschland zu bringen, um das neue Survival-Horror-Spiel Resident Evil 7 ein wenig mehr in die Realität der Fans zu holen. Ich persönlich hoffe, dass dies nicht nur ein Trend ist, denn diese Form von Horror-Marketing hat zumindest mich voll erwischt.
Andy Koch
Fotos: KROSSE