Was möchten die meisten Studenten in ihren Semesterferien oder nach dem Studium unternehmen? Richtig – die Welt entdecken! In exotische Länder reisen und fremde Kulturen kennenlernen. Doch wie das meistens so ist, macht der Geldbeutel nicht so mit, wie man sich das wünscht. Tomislav Perko hat es jedoch geschafft und hat mit wenig Geld 17 Länder bereist. Jetzt, drei Jahre später, tourt er durch Europa und erzählt bei seinen Vorträgen, wie die Reise für ihn möglich war, ohne ein Vermögen dafür ausgegeben zu haben.
Wie alles begann
Am 07. Mai hielt Tomislav in der Universität Hamburg einen Vortrag darüber, wie man mit wenig Geld reisen und die Welt sehen kann. Er selbst ist ein Paradebeispiel dafür. Der damals 22-jährige Kroate arbeitete als Börsenmakler, als 2008 die Finanzkrise keinen Halt machte und er seinen Job und sein Erspartes verlor. Doch das ließ ihn nicht untätig werden. Er erinnerte sich daran, dass er schon vielen Couchsurfern bei sich zu Hause einen Platz zum Schlafen gegeben hatte und immer fasziniert davon gewesen war, dass diese Menschen so risikobereit waren und was für Geschichten sie von ihren Reisen zu erzählen hatten. Seine Gäste inspirierten ihn sehr und er begann sich zu fragen, was die Welt da draußen ihm zu bieten haben würde. Er war bis zu diesem Zeitpunkt nie viel auf Reisen gewesen, aber wollte das jetzt ändern. Er wollte die Welt erkunden, Fragen stellen und Antworten finden. Antworten von Leuten mit verschiedenen kulturellen Ursprüngen und Einstellungen. Er wollte sich bilden, neue Erfahrungen sammeln und seinen Horizont erweitern.
Doch dieser Wille reichte anfangs nicht aus, um den Schritt zu wagen. Tomislav war alleine und ihm fehlte das nötige Geld. Das machte ihm Angst. Doch dann stellte er sich die Frage, ob er überhaupt vor irgendwas Angst haben musste, und beantwortete diese Frage für sich selbst mit einem energischen „Nein“.
Tipps, die einem beim Sparen helfen
Bevor er von seinen Erfahrungen während seiner eigenen Reise berichtete, nannte er zunächst ein paar Tipps, die man beachten sollte. Die wichtigste Regel ist laut Tomislav vor allem, sich nicht vorher schon zu viele Gedanken zu machen. Man muss auf Überraschungen gefasst sein und manchmal auch unkonventionelle Wege gehen, um sein Ziel zu erreichen. Jedoch handelte es sich bei den Ratschlägen, die er gab, um eher bekannte Methoden und nur wenige Geheimtipps. Um beim Transport Geld zu sparen oder gar nicht erst welches auszugeben, nannte er Optionen wie Trampen, Fahrrad fahren, zu Fuß laufen, Car Sharing oder Mietwagenrückführungen, was für mich zum Beispiel neu war. Hierbei suchen Autovermieter Leute im Internet, die ihre Mietwagen von einem Ort zum anderen bringen und somit die sogenannten Transferfahrten für sie übernehmen. Das ist komplett kostenlos, dafür ist man aber an die vorgegebenen Zeiten gebunden, zu denen das Auto am Zielort angekommen sein muss. Um kostengünstige Unterkünfte zu finden, könnte man campen, Couch surfen, sich für House Sitting bewerben oder im Gegenzug für eine Schlafstätte seine Arbeitskraft anbieten. Da Essen auch nicht immer billig ist, empfiehlt er, sich seine Mahlzeiten so oft wie möglich selber zu kochen, anstatt essen zu gehen. Eine weitere Option wäre Containern, bei dem man Lebensmittel aus Abfallcontainern zum Beispiel von Supermärkten mitnimmt, die ihre noch frischen Lebensmittel wegwerfen müssen. Durch all diese Methoden hat er es geschafft, an den meisten Tagen nicht mehr als 10$ am Tag auszugeben, manchmal sogar gar nichts. Ab und zu ließ es sich aber auch bei ihm nicht vermeiden, ein bisschen mehr auszugeben, wenn er zum Beispiel Visa beantragen oder doch mal mit dem Flugzeug fliegen musste.
„What would you do if you knew you could not fail?“
Unter diesem Motto begann Tomislav in Zagreb im September 2011 seine Reise. Er besuchte innerhalb von 3 Jahren 17 Länder und traf die unterschiedlichsten Menschen, denen er es zu verdanken hat, viele neue Eindrücke gesammelt zu haben und jetzt viele lustige Anekdoten erzählen zu können. Zum Beispiel wollte er im Iran trampen und lernte schnell, dass dies einige Hürden mit sich bringt. Zum einen streckt man den Daumen nicht nach oben, wie in Europa üblich, da das dort der Bedeutung des Mittelfingers entspricht. Außerdem ist trampen an sich im Iran nicht so geläufig. Viele vorbeifahrende Autos wiesen ihn darauf hin, dass auf der anderen Straßenseite doch ein Taxi- und Busstand wäre. Ein anderer Mann fragte ihn, warum er ein Schild mit dem Wort „Teheran“ in der Hand hielt, da es doch richtige Verkehrsschilder gäbe. Das zeigte ihm, dass man sich den Gewohnheiten der Einheimischen anpassen muss und dann am Ende doch Bus fährt, weil er sonst nicht vorangekommen wäre. Nachdem er danach in Pakistan, Indien und Thailand war, ging es für ihn nach Australien. Dort wollte er eigentlich ein bisschen länger verweilen, doch dann bot ihm ein Bekannter an, dass er ihn auf einem 13 Meter langen Boot nach Südafrika begleiten könne. Dieses Angebot nahm er an und legte diese knapp 8.000 km über den Indischen Ozean innerhalb von 45 Tagen zurück. Er hielt sich dann weiterhin in Afrika auf und wurde sogar über die malawische Grenze mit Hilfe von Schmugglern nach Tansania gebracht – also alles andere als konventionell. Besonders interessant ist, dass man auf seinem Youtube Kanal Videos und auf seinem Blog Einträge von jedem seiner Stopps sehen kann, in denen er Eindrücke der Länder und Leute teilt. Wenn man Tomislav fragt, was er vor allem während seiner Reise gelernt hat, antwortet er, dass sich viele Vorurteile gegenüber anderen Kulturen als falsch erweisen. Nur weil gewisse Länder in den Medien immer aus einem bestimmten Winkel gezeigt werden, entspricht dieses Bild nicht immer der Realität. Das hat sich auch im Verhalten der Leute widergespiegelt, da diese sehr bemüht waren, herauszufinden, was er von ihrer Kultur hält. Sie erzählten ihm viele positive Geschichten, damit westliche Vorurteile abgebaut werden können und nicht immer nur Schlechtes über sie erzählt wird.
Fazit
Der Abend in der Uni Hamburg war wirklich interessant und unterhaltsam. Tomislav ist ein sehr charismatischer Mann, der seine Geschichten abwechslungsreich und mit viel Witz erzählt. Auch wenn sich der Großteil des Vortrags nicht auf Tipps für zukünftige Weltreisende konzentrierte, war es trotzdem unfassbar faszinierend zu hören, was man alles erleben und lernen kann, wenn man einmal seine Komfortzone verlässt und den Schritt wagt, das Gewohnte hinter sich zu lassen.
Vivien Rössig