Gamer und Nerds aus der ganzen Welt sind aus dem Häuschen. Ab jetzt läuft die Verfilmung eines der beliebtesten Fantasy Universen im Kino: Warcraft. Am besten bekannt aus dem Online-Rollenspiel „World of Warcraft“, welches zu seiner Blütezeit mehr als 12 Millionen Abonnenten verzeichnen konnte. Doch wird der erste Film von „Blizzard Interactive“ dem Hype gerecht? Unsere Redakteure Jan, der langjährige Warcraft-Nerd und Laura, die Warcraft-Fremde haben sich für euch ins Kino gesetzt und teilen euch ihre Meinung aus zwei verschiedenen Blickwinkeln mit.
Lauras Erwartungen
Ich muss gestehen, dass ich dem Film anfangs sehr skeptisch gegenüberstand, da ich selbst das berühmte Online-Spiel nicht spiele und auch noch nie gespielt habe. Daher war mir von vornherein natürlich bewusst, dass ich den Kinobesuch ganz anders erleben würde, als die meisten übrigen Zuschauer, die meiner Vermutung nach zumindest bei der Vorpremiere wohl zu 90% aus Gamern bestehen sollten.
Dennoch habe ich versucht, möglichst unvoreingenommen an das Erlebnis heranzugehen, um den monumentalen Fantasyfilm aus der Sicht einer „Außenstehenden“ angemessen beurteilen zu können – schließlich kann man ja immer überrascht werden!
Jans Erwartungen
Tatsächlich war ich ebenfalls sehr skeptisch. Blizzard Interactive hat, auch durch ihr neuestes Werk „Overwatch“, immer wieder bewiesen, dass sie großartige Trailer und Cutscenes mithilfe der CGI Technik in ihre Spiele zaubern können. Doch ein ganzer Film, noch dazu ein Mix aus Live-Action und CGI, ist nochmal eine ganz andere Liga. Dazu kommt noch, dass das inzwischen elf Jahre alte Spiel, wie auch bei langlebigen Serien üblich, meiner Meinung nach recht offensichtlich zur Cash-Cow verkommen ist, die von den Machern nur noch lustlos gemolken wird. Daher läge die Vermutung recht nahe, dass auch in den Film nicht viel Mühe gesteckt werden würde und nur darauf gesetzt wird, dass die Fanhorden ja sowieso fünf mal ins Kino gehen, einfach, weil es Warcraft ist.
Die Handlung
Die Heimat der Orks, Draenor, liegt im Sterben. Aus diesem Grund öffnet der Hexenmeister Gul’Dan (Daniel Wu) mit seiner Todesmagie ein magisches Portal, um für einen Augenblick zu ermöglichen, dass einige der Orks nach Azeroth in die Welt der Menschen gelangen können. Dort wollen sie ein weiteres Portal erbauen, durch welches der Rest ihres Volkes nach Azeroth fliehen kann.
Die Menschen werden von dem Krieger Anduin Lothar (Travis Fimmel) angeführt, stellen sich jedoch den Orks in den Weg und wollen die Verwüstungen überall im Land aufhalten. Währenddessen bemerkt Khadgar (Ben Schnetzer), der trotz seiner abgebrochenen Zaubererausbildung über magische Fähigkeiten verfügt, an einer Leiche eine Magie, das sogenannte Fel, welche die Seele eines jeden zerstört. Sogleich bittet er den Magier und Wächter Medivh (Ben Foster) um Hilfe.
Auch innerhalb der Horde der Orks ist bei weitem nicht alles friedlich, denn angefangen bei Durotan (Toby Kebbel), dem Häuptling des Frostwolf-Clans, kommen Zweifel auf, ob Gul’Dan und das Fel tatsächlich hilfreich für das Schicksal der Orks sein können. Darum beschließt Durotan ein Bündnis mit König Llane (Dominic Cooper) einzugehen, sodass Orks und Menschen dem Hexenmeister gemeinsam entgegentreten können.
Lauras Fazit
Da ich dem Film von Anfang an nicht übermäßig hohe Erwartungen entgegengebracht habe, muss ich sagen, dass mich das Ergebnis sehr positiv überrascht hat. Mit dynamischer Handlung und für mich authentisch porträtierten Charakteren erzeugt „Warcraft“ definitiv ein hohes Maß an Spannung.
Vorab wurde zwar viel diskutiert, ob Zuschauer, die mit dem Computerspiel nicht vertraut sind, mit den teilweise komplexen Details überfordert sein könnten; meiner Meinung nach ist dies aber ganz und gar nicht der Fall, ich konnte sehr gut folgen.
Sicherlich gibt es einige Dinge, die eingefleischte Spieler am Film auszusetzen haben könnten; so rückt beispielsweise – der Meinung einiger meiner Bekannten nach – der Hass zwischen Orks und Menschen, welcher ein Kernelement der Handlung in „World of Warcraft“ ist, zeitweise etwas in den Hintergrund.
Sehr gefallen haben mir jedoch die detailgetreuen Kulissen und die persönliche Entwicklung einiger Figuren, wie man sie zum Beispiel bei Khadgar oder Garona beobachten kann.
Insgesamt kann ich sagen, dass der Film viel Spannung und Kampfaction bereit hält und auch für diejenigen durchaus zu empfehlen ist, die sich nicht mit der Materie auskennen. Obwohl ich mir eine Fortsetzung wahrscheinlich – und wenn auch nur aus Neugier – ansehen würde, kann „Warcraft“ für mich trotzdem nicht mit anderen, ähnlichen Filmen dieses Genres mithalten, denn so richtig umgehauen hat der Kinobesuch mich leider auch nicht.
Jans Fazit
Auch wenn ich mit recht pessimistischen Erwartungen ins Kino gegangen bin (und meine Laune durch die Preise für Snacks noch mehr getrübt wurde), war ich absolut begeistert!
Der Mix aus Live-Action und CGI sieht zwar in den Trailern und den Stills etwas merkwürdig aus, aber man merkt schnell, dass der Film für die hochauflösende 3D Kinoleinwand gemacht wurde. Die Musik ist imposant und verströmt dieses gewisse Warcraft-Flair. Viele der Charaktere erfahren gute Entwicklungen und wirken insgesamt sehr glaubhaft. Die Motivation sowohl der Orks als auch der Menschen kommt klar rüber und man kann Verständnis für den Standpunkt jeder Seite aufbringen. Ein Fehlen von Schwarz-Weiß-Denken ist mir in allen Filmen immer sehr sympathisch und gerade der Tradition der Warcraft-Spiele, in denen man immer beide Seiten spielen kann, bleibt dies treu.
Wie von Laura bereits erwähnt, ist auch die Story nicht zu verwirrend. Ich selbst bin auch kein Profi in dem teilweise doch recht komplizierten Warcraft-Universum und bin trotzdem sehr gut mitgekommen. Gerade auch die Tatsache, dass der Film nicht übersät ist mit Referenzen zu World of Warcraft, sondern nur hin und wieder mal kleine Insider gebracht werden, macht „Warcraft – The Beginning“ sehr einsteigerfreundlich.
Einzige Kritikpunkte wären für mich die obligatorische Romanze, die ziemlich forciert wirkt, und die CGI Hintergrundkulissen, die an einigen wenigen Stellen auffallend gekünstelt wirken und mit den realen Menschen nicht wirklich harmonieren.
Laura Limberg
Jan-Alban Rathjen